Verkündigung, Gottesdienst, Seelsorge

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1.      Wie wird das Konzept 2017-2022 als Grundlage für die Arbeit im Kirchenkreis genutzt? Wer trägt dafür die Verantwortung?

Die vom Kirchenkreis nach der Fusion 2017 erstellten Grundstandards für die Handlungsfelder Gottesdienst, Verkündigungund Seelsorge spielen in der praktischen Entwicklung der Arbeit eine untergeordnete Rolle. Vielmehr wird auf Veränderungen reagiert, sich bietende Chancen genutzt und Herausforderungen situationsgerecht angegangen. Die Verantwortung für die Gottesdienstkultur liegt v.a. bei den Kirchengemeinden, für den Rahmen sorgen Kirchenkreisvorstand und Kirchenkreis-Leitung.

2.      Welche Rückmeldungen und Anregungen hat die letzte Kirchenkreisvisitation für dieses Handlungsfeld erbracht?

Seit der Gründung des Kirchenkreises Lüneburg im Jahr 2017 hat keine Kirchenkreis-Visitation stattgefunden.

3.      Wie wurden Stellen außerhalb des Kirchenkreises beratend in die Erstellung des jetzt vorgelegten Konzeptes einbezogen?

Es sind keine Stellen außerhalb des Kirchenkreises in die Erstellung des Handlungskonzeptes einbezogen worden.

  1. Rückblick auf die Planung für 2017-2022:
  • Welche für 2017-2022 beabsichtigen Veränderungen sind eingetreten? Welche nicht und warum?

Die Gottesdienstkultur im Kirchenkreis Lüneburg ist lebendig und vielfältig. Neben den traditionellen Gottesdiensten (Agende I) entwickeln sich andere Gottesdienstformate, Zielgruppengottesdienste und Gottesdienste an besonderen Orten (z.B. in Kliniken und Altenheimen) weiter. Die Zahl der „Sommerkirche“ o.ä. genannten gemeinsamen Gottesdienste mehrerer Kirchengemeinden nimmt zu, die Begegnungsangebotewerden angenommen. Unterstützt vom Kirchenkreis-Projekt „Come Together“ entstand wie erhofft eine Szene von Musikerinnen und Musikern, die miteinander vernetzt sind und sich in die Begleitung von Gottesdiensten mit „Popularmusik“ einbringen. Der Kirchenkreis-Jugenddienst hat 2020 eine mobile Bühne samt Licht- und Tontechnik angeschafft, die für Freiluftveranstaltungen genutzt werden kann.

Rückgrat der Gottesdienstkultur bleiben die sonntäglichen Gottesdienste mit Orgelbegleitung, zuweilen auch unterstützt von Chören. Insbesondere in Lüneburger Innenstadtkirchen geschieht dies mit ausgesprochenhoher Qualität und künstlerischem Anspruch. Auf dem Land gelingt es noch immer, gute musikalische Begleitung der Gottesdienste darzustellen, meistens durch C- oder D-Musikerinnen mit Vertrag oder durch Vertretungskräfte.

Das Kirchenkreis-Projekt „Gottesdienst. Einfach. Schön“ hat nicht die erhoffte Breitenwirkung erzielt. Vermutlich istdie Zufriedenheit mit Gottesdiensten vor Ort noch groß, oder das Gefühl von dringendem Veränderungsbedarf nicht ausgeprägt genug; wohl auch, weil es reichlich Abwechslung und Besonderes vor Ort gibt.

Wichtig ist dem Kirchenkreis die Förderung der Lektorinnen und Lektoren, Prädikantinnen und Prädikanten. Ein Kreis von Engagierten trifft sich zum intensiven Austausch und um gemeinsam Gottesdienstes zu halten. Der Beauftragte des Kirchenkreises begleitet die Gruppe und setzt fachliche Akzente. Die Zahl der Prädikantinnen und Prädikanten wächst stetig. Es hat kürzlich durch die Alten(-heim) – Seelsorgerin im Kirchenkreis ein Seminar für Lektor*innen und Prädikant*innen stattgefunden, die sich gezielt für Andachten in Altenheimen fortbilden wollten.

Gute Erfahrungen machen wir mit Zielgruppen-Gottesdiensten für die Mitarbeitenden in Kindertagesstätten und Diakonie, für Lehrerinnen und Lehrer und andere kirchliche Berufsgruppen. Hier wird Gottesdienst und Leben sowie Erfahrungen in der Arbeitswelt gelungen verbunden und die Angebote gern angenommen. Auch hier erleben wir die integrative Kraft kirchenkreisweiter Angebote. Es entsteht Gemeinschaft und ein „Wir-Gefühl“.

Im Bereich der Kasualien erleben wir Rückgänge, insbesondere bei den Trauungen und zuletzt auch Taufen. Tauffeste sind da geeignete Maßnahmen, Menschen mit dem Angebot zu erreichen. Der Kirchenkreis wirbt für Tauffeste. Mehrere Kirchengemeinden sowie Nachbarschaften/Zukunftregionen feiern bereits jährlich oder zweijährlich Tauffeste an attraktiven Plätzen/Gewässern.

Die Konfirmandenzahlen sind im ländlichen Raum eher stabil, es nehmen auch viele ungetaufte Jugendliche teil. In städtischen Kirchengemeinden die Konfirmandenzahl vornehmlich rückläufig. Neue Modelle, auch gemeinsame Konfirmandengruppen mehrerer Kirchengemeinden, zeigen, dass hier Innovation möglich ist und wir diesen Arbeitsbereich zukünftig in unterschiedlichen Strukturen gestalten werden. In der Konfirmandenarbeit gibt es wichtige Schnittstelle zur Jugendarbeit. Die Aus- und Fortbildung von Teamerinnen und

Teamern spielt eine wichtige Rolle (siehe Handlungskonzept „Arbeit mit Kindern und Jugendlichen“).

Seelsorge geschieht weiterhin –trotz pandemiebedingten Einschränkungen – grundständig in den Kirchengemeinden, v.a. im Rahmen der Kasualien, Geburtstagsbesuchen und anlassbezogenen Besuchen.

Kontinuierlich auf hohem Niveau läuft die Seelsorge in den Lüneburger Kliniken (Krankenhaus und Psychiatrische Klinik). Sie hat an Bedeutung in der Pandemie, u.a. wegen der Besuchsverbote, gewonnen. Die Stellen werden teilweise durch die Klinik und eine Stiftung mitfinanziert. Nur so kann der notwendige Stellenumfang gehalten werden. Die Kostensteigerungen für das Personal und die Sachkosten gehen sukzessive immer mehr zu Lasten des Kirchenkreises, so dass hier immer wieder Nachverhandlungen notwendig sind.

Die Alten (heim)-Seelsorge wird im nächsten Planungszeitraum durch eine 0,5 Pfarrstelle intensiviert. Die Stelleninhaberin arbeitet auf dieser Stelle punktuell selbst in Altenheimen, sorgt für fachliche Vernetzung und Weiterbildung insbesondere auch von Ehrenamtlichen. Grundsätzlich betrachten die Pastorinnen und Pastoren vor Ort die Begleitung der Seniorenheime als ihre genuine Aufgabe. Der Wunsch nach Entlastung in diesem Bereich hat aber zu genommen. Zusätzlich soll ein Projekt „Beratung bei Lebensschwellen für Senioren und Seniorinnen“ in der gemeinwesenorientierten Gemeindearbeit erprobt werden.

An der Notfallseelsorge im Landkreis Lüneburg beteiligen sich ca. 30 Pastorinnen und Pastoren und einige Diakoninnen und Diakone. Das ist gut die Hälfte der in Frage kommenden Personen. Das System bietet der Einsatzzentrale Rufbereitschaft rund um die Uhr an sieben Tagen pro Woche. Das System ist angespannt. Veränderungen stehen an (s.u.).

•       Wo im Handlungsfeld haben sich Verhältnisse ungeplant geändert?

Die Covid-19-Pandemie hat zu einer dynamischen Veränderung der Gottesdienstkultur geführt. Digitale Formate wurden erprobt und erreichen z.T. hohe Qualität (z.B. „Freiraum Sankt Nicolai“, wo digitale und analoge Formate vernetzt werden). Es wurden gute Erfahrungen mit Gottesdiensten an anderen Orten, vor den Kirchen und in kurzenFormen gemacht. Wie nachhaltig die Veränderungen sind, muss sich erweisen.

Im Bereich der Kasualien erwächst der traditionellen kirchlichen Trauerfeier in Kapellen oder Kirchen mit anschließender Beisetzung unerwartet schnell eine mächtige Konkurrenz.

Bestattungsunternehmen bieten in eigenen Räumen Trauer-Service aus einer Hand, oft einschließlich freiem Redner. Häufiger kommt es vor, dass sich an die Trauerfeier im Bestattungsinstitut das Kaffeetrinken am selben Ortanschließt, um schließlich später zur Beisetzung auf den Friedhof zu fahren. Abgesehen von der aus seelsorgerlicher Sicht fraglichen Form stellt diese Praxis neue zeitliche Anforderungen an die Pastorinnen und Pastoren. Außerdem wachsen die Anforderungen an Individualität in der Gestaltung der Trauerfeiern und musikalische Wünsche. Hier sind neue Konzepte nötig. Auch um einen angemessenen Umgang mit der Rollenerwartung eines Dienstleisters zu finden.

Die Notfallseelsorge betreffend wandte sich das DRK an den Kirchenkreis. Es werden Ehrenamtliche zum Einsatz inder PSNV für Betroffene ausgebildet und ein Team aufgebaut. In Gesprächen mit dem Landkreis wird das NFS-System unter Einbeziehung der Partner von KIT- KJ und DRK neu justiert. Der Kirchenkreis hat begonnen, Ehrenamtliche in den NFS Dienst aufzunehmen. Das erschwert die Organisation der Bereitschaftszeiten, ist aber notwendig, um das Angebot nachhaltig zu sichern.

5.      Für den kommenden Planungszeitraum:

  • Welche gewichtigen Herausforderungen sehen Sie in diesem Handlungsfeld?

Gottesdienste in traditioneller Form werden ein Kerngeschehen in Kirchengemeinden im Kirchenkreis bleiben. Die Herausforderung, Menschen für den Gottesdienstbesuch zu motivieren, wächst allerdings. Wir entwickeln Formate, die den Lebens-, Hör- und Kommunikationsgewohnheiten der Menschen entgegenkommen. Es wird weiterGottesdienste mit hohem qualitativem Anspruch geben, gründlich vorbereitet, mit hochqualifizierter Musik, aber auch einfache Gottesdienste.

Wir beobachten die Abbrüche bei den Kasualien, besonders bei Trauungen und Beerdigungen. Der Kirchenkreis will Lebensschwellen der Menschen weiter begleiten. Insbesondere die christliche Abschieds- und Bestattungskultur fördern, z.B. durch eine Beauftragung für Friedhofsfragen aus der Kirchenkreiskonferenz, durch die Tobiasgemeinschaft und die Förderung des kirchlichen Friedhofswesens sowie der kirchlichen und kommunalen Gedenkkultur.

•       Welche besonderen Veränderungen und Innovationen planen Sie?

Der Kirchenkreis Lüneburg macht gute Erfahrungen damit, situationskompetent auf Veränderungen zu reagieren.Das gilt auch für Chancen, die sich durch die Entwicklung der Gottesdienstkultur und die Zusammenarbeit der Kirchengemeinden in

„Zukunftsgemeinschaften“ ergeben werden. Dies bezieht sich auf alle Gottesdienst und Verkündigung betreffendeBereiche, also Agenden, Musik, Gottesdienst-Frequenzen und die Beteiligung Ehrenamtlicher.

Im Bereich Seelsorge und Beratung streben wir eine Profilierung an. Im Planungszeitraum wird es zu einem Personalwechsel in der Ehe- und Lebensberatungsstelle kommen. Hier möchten wir weiterhin als Kirchenkreis die flächendeckende Ehe- und Lebensberatung sicherstellen. Wie sich dieEntwicklungen der Zukunftsgemeinschaften auf dezentrale profilierte Seelsorge- Angebote auswirken werden, lässt sich noch nicht abschätzen. Es ist aber auch hier gewollt, die diesbezügliche Qualifikation der Pastorinnen und Pastoren herauszustellen.

Das System der Notfallseelsorge wird unter Einbeziehung der neuen Partner und Ehrenamtlicher, die dem Aus- undFortbildungsanspruch der ev.-luth. Kirche entsprechen, weiterentwickelt werden.

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