Diakonie im Kirchenkreis

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Wie wird das Konzept 2017-2022 als Grundlage für die Arbeit im Kirchenkreis genutzt? Wer trägt dafür die die Verantwortung?

Im Jahr 2013 machten sich die Kirchenkreise Lüneburg und Uelzen, die im Diakonieverband Nordostniedersachsen zusammenarbeiteten, und der „Herbergsverein Wohnen und Leben e.V.“ auf den Weg, eine gemeinsame Organisation der Diakonie in den Kirchenkreisen Lüneburg und Uelzen zu gründen. Nach umfangreichen Vorarbeiten wurde zum 1. Januar 2018 der Lebensraum Diakonie e.V. in Kontinuität des Herbergsvereins begründet, indem die Aufgaben des Diakonieverbandes übernommen und Vereinbarungen mit den Kirchenkreisen geschlossen wurden. Der Lebensraum Diakonie e.V. ist das Diakonische Werk in den Kirchenkreisen Lüneburg und Uelzen. Pflichtgemäß wurde 2018 ein Grundstandard-Papier erstellt, auf das es bisher kein Feedback gegeben hat. Die Verantwortung für Strategieentwicklung und Umsetzung liegt beim Vorstand des Lebensraum Diakonie e.V., der vom Aufsichtsrat begleitet wird. Der Aufsichtsrat besteht aus von den Kirchenkreisen der Mitgliederversammlung des Vereins vorgeschlagenen Personen, den Vorsitz üben Superintendent Christian Cordes (Kirchenkreis Lüneburg) und Propst Jörg Hagen (Kirchenkreis Uelzen) aus.

Welche Rückmeldungen und Anregungen hat die letzte Kirchenkreisvisitation für dieses Handlungsfeld erbracht?

Im Kirchenkreis Lüneburg hat seit dessen Gründung im Jahr 2017 keine Kirchenkreis-Visitation stattgefunden. Zur Visitation des Kirchenkreises Uelzen stellte Regionalbischof Dieter Rathing u.a. fest, dass man in Uelzen überall auf den Lebensraum Diakonie e. V. stoße. Die Öffnung des Kirchenkreises nach außen sei stark mit der Diakonie verbunden. Dabei stellten sich zwei Fragen:

Welche Bedeutung hat der Lebensraum Diakonie für den Kirchenkreis Uelzen und welche Bedeutung hat der Kirchenkreis Uelzen für den Lebensraum Diakonie?

Sie hätten füreinander eine gleichwertige Bedeutung und Geltung, wobei ein besonderes Merkmal die Agilität dieser beiden kirchlichen Organisationen sei. Trotz des Zusammenschlusses des „Diakonieverbandes Nordostniedersachen“ und des „Herbergsvereins – Wohnen und Leben e. V.“ zum „Lebensraum Diakonie e. V.“ und der Verlegung der Verwaltung des Lebensraumes Diakonie e.V. 2018 nach Lüneburg, fühlten sich die Mitarbeitenden in Uelzen wahrgenommen. Bei vielen Mitarbeitenden sei eine hohe individuelle Identifikation mit dem Lebensraum Diakonie vorhanden. Im Prinzip gelten dieselben Feststellungen auch für den Kirchenkreis Lüneburg.

Wie wurden Stellen außerhalb des Kirchenkreises beratend in die Erstellung des jetzt vorgelegten Konzeptes einbezogen?

Die Einrichtungen des Lebensraum Diakonie e.V. stehen in regelmäßigem Kontakt mit den zuständigen Abteilungen des DWiN. Darüber hinaus fand bezüglich des Handlungskonzepts keine Beratung statt.

Rückblick auf die Planung für 2017-2022:

Welche für 2017-2022 beabsichtigen Veränderungen sind eingetreten? Ggfs. Welche nicht und warum?

Der Lebensraum Diakonie e.V. hat sich als Diakonisches Werk in den Kirchenkreisen Lüneburg und Uelzen etabliert. Die Integration der Mitarbeitenden aus dem ehem. Diakonieverband und dem ehem. Herbergsverein ist gut gelungen, der Verein hat ein klares diakonisches Profil nach innen und außen. Kirchengemeinden nehmen den Lebensraum Diakonie wahr und haben bereits einzelne Einrichtungen an den Verein übertragen. Besondere Bedeutung kommt der Funktionsstelle des Diakoniepastors, bzw. der Diakoniepastorin zu. Erfreulicherweise ist es gelungen, nach dem Weggang von Pastor Florian Moitje diese Stelle mit Pastorin Kristin Bogenschneider wieder zu besetzen.

Propst und Superintendent nehmen ihre differenzierten Rollen als Repräsentanten der Diakonie und Aufsichtsführende im Aufsichtsrat wahr. Der Aufsichtsrat ist mit wirtschaftlichem und juristischem Sachverstand ausgestattet. Ein Finanzausschuss verfolgt besonders die wirtschaftlichen Fragen des Vereins.

Bisher hatten die Einrichtungen des Diakonieverbandes Anteil an der Kassengemeinschaft des Kirchenkreises Lüneburg. Nach Gründung des Lebensraum Diakonie e.V. musste deshalb in den ersten Jahren besonders auf die Sicherstellung der Liquidität geachtet werden. Die Liquidität entwickelt sich positiv und ist gesichert.

Unserer Einschätzung nach ergänzen sich Diakonie und Kirchengemeinden nach wie vor gut. Zum Beispiel sind 60 % der Kirchengemeinden beider Kirchenkreise Mitglied im Verein, regelmäßig werden freie Kollekten für Einrichtungen des Lebensraum Diakonie e.V. ausgelobt und Mittel aus den Diakoniekassen der Kirchengemeinden dem Lebensraum Diakonie oder dem Diakoniefonds zur Verfügung gestellt.

Die Kirchenkreis-Sozialarbeit fungiert weiter wie bisher als Netzwerk von Beratungsstellen im Haus der Kirche in Lüneburg und im Haus der Diakonie im Kirchenkreis Uelzen. In beiden Kirchenkreisen sind die Kirchenkreis-SozialarbeiterInnen Vorsitzende des Diakonieausschusses der Kirchenkreise. Die Vernetzung der Kirchenkreis-Sozialarbeit mit den Kirchengemeinden und dem Diakonieausschuss im Kirchenkreis funktioniert gut. Der Kirchenkreis-Sozialarbeiter nimmt punktuell an Kirchenkreis- und Teilkonferenzen und dem Kirchenkreis-Konvent teil.

Absprachen über Einzelfallhilfen aus Diakoniekassen der Kirchengemeinden im Rahmen der Beratungstätigkeit des Kirchenkreis-Sozialarbeiters laufen flüssig.

Innerhalb des Lebensraum Diakonie e.V. sind die Kirchenkreis-Sozialarbeiter in die Ebene der Geschäftsbereichsleiter eingebunden.

Noch immer nicht gelungen ist die langfristige wirtschaftliche Sicherung der psychosozialen Kontaktstelle „Stövchen“. Zur Aufrechterhaltung der Angebote engagieren sich die Stiftung „Diakonie – ich mache mit“ und die unselbständige „Bode-Stiftung“.

Dezentrale Beratungsangebote der Kirchenkreis-Sozialarbeit gibt es in den Kirchengemeinden Bleckede, Dahlenburg und Amelinghausen. Die Kirchengemeinde Reppenstedt ist „Diakonische Gemeinde“, das „Paul-Gerhardt-Haus“, ehemals Kirche und Gemeindehaus der Kirchengemeinde Paul Gerhardt, ist ein diakonischer Schwerpunkt mit Kindertafel und gemeinwesendiakonischen Angeboten. Die Kirchengemeinde hat zum 1.1.2022 mit der Kirchengemeinde Lüne zur Kirchengemeinde Paul-Gerhardt in Lüne fusioniert, der diakonische Schwerpunkt wird weiterentwickelt. Die Kirchengemeinde Bleckede unterhält eine Tafel in ihrem Gemeindehaus. Der Demenzstützpunkt der Kirchengemeinde Scharnebeck wurde inzwischen an den Lebensraum Diakonie e.V. übergeben. Besonders mit dem ehem. Herbergsverein Wohnen und Leben e.V. ist die Kirchengemeinde Sankt Michaelis verbunden, auch durch die unmittelbare Nachbarschaft mit der Herberge Plus. Hervorzuheben ist die

Weiterentwicklung der Behindertenarbeit im Kirchenkreis, die an die Kirchengemeinde Sankt Nicolai angebunden ist. Hier sind die durch die Inklusionsprozesse in Schulen und Gemeindearbeit eingetretenen Veränderungen zu nennen.

Weiterentwickelt und verstetigt wurde auch die Flüchtlingssozialarbeit in der Samtgemeinde Ostheide (Kirchengemeinde Reinstorf). Insbesondere in der Barendorfer Kirche finden monatlich Gottesdienste für Farsi-Sprechende statt.

Bis zu 300 Konfirmandinnen und Konfirmanden nehmen an der jährlich durchgeführten Diakonierallye teil, in der sich die diakonischen Fachdienste vorstellen und deren Arbeit erlebt werden kann.

Ein junges Projekt der Kirchengemeinde Sankt Michaelis, Kirchenkreis und Lebensraum Diakonie e.V. ist die Vesperkirche, die im Jahr 2021 erstmals durchgeführt wurde.

Wo im Handlungsfeld haben sich Verhältnisse ungeplant geändert?

Einzigartig in Landeskirche und Bistum Hildesheim ist die ökumenische Ehe- und Lebensberatungsstelle. Zwischenzeitlich befand sich diese Einrichtung in einer existenziellen Krise, weil das Bistum sich aus der Kooperation aufgrund interner Umstrukturierungen zurückzuziehen drohte. In gemeinsamer Anstrengung unter Hinzuziehung von Superintendent, Dechant und Rat des Bistums ist es gelungen, die Beratungsstelle zu sichern und auszubauen.

Die soziale Schuldnerberatung wurde vom Landkreis Lüneburg nach über 20 Jahren öffentlich ausgeschrieben. Der Lebensraum Diakonie e.V. verlor die Ausschreibung.

Dynamisch entwickelt sich die Paul-Gerhardt-Gemeinde Lüneburg zu einem diakonischen Schwerpunkt im Gemeinwesen. Dies ist eine Entwicklung der Gemeindediakonie, die ausgeht von der Kindertafel. Mit Hilfe des Kirchenkreises, einer städtischen Stiftung und umfangreichen Rücklagen gelang es, in der Kirchengemeinde zwei Diakoninnen für dieses Arbeitsfeld anzustellen. In der Zeit der Corona-Pandemie intensivierte sich die Arbeit durch Gründung des Lernraums in Kooperation mit dem Mentorat der Leuphana Universität. Mit der Fusion der Kirchengemeinden Paul-Gerhardt und Lüne wird sich diese diakonische Stadtteil-Arbeit weiter intensivieren.

Im Jahr 2018 entstand aus einer Initiative von Kirchenkreis, Lebensraum Diakonie e.V., Johannitern u.a. die ökumenische „Tobias-Gemeinschaft“, die sich um würdevolle Trauerfeiern und Beisetzungen von ordnungsrechtlich zu bestattenden Menschen kümmert. Dies Projekt ist beispielhaft und erfährt viel positiven Zuspruch.

Für den kommenden Planungszeitraum:

Welche gewichtigen Herausforderungen sehen Sie für dieses Handlungsfeld?

Die Kirchenkreise Lüneburg und Uelzen werden die Finanzierung des Lebensraum Diakonie im Planungszeitraum bis 2028 voraussichtlich um insg. 82.000 € kürzen. Weitere Einschränkungen resultieren aus der eventuell nicht kompensierten Teuerung. Kirchliche und staatliche Förderung von Migrationsdienst und Flüchtlingsberatung werden zurückgefahren. Die bleibenden Aufgaben sind so nicht kostendeckend finanziert.

Eine wesentliche Herausforderung wird die Mitarbeitergewinnung und Mitarbeiterbindung, auch angesichts anstehender Ruhestände. In der Nachwuchsgewinnung ist der Lebensraum Diakonie e.V. aktiv, z.B. durch den Einsatz von Berufspraktikantinnen und Berufspraktikanten und Ausbildung im Rahmen des dualen Studiums, sowie dem Einsatz von FSJlern,

Bundesfreiwilligendienstlern und Praktikantinnen und Praktikanten. Unter Beteiligung einer Agentur entwickelt der Verein neue Personalgewinnungsstrategien (z.B. unter Einsatz von Social Media).

Im Planungszeitraum steht der Ruhestand des sozialfachlichen Vorstandes des Lebensraum Diakonie e.V. an.

Die Weiterentwicklung des gemeinwesendiakonischen Schwerpunktes Paul-Gerhardt-Haus steht an.

In der Behindertenarbeit des Kirchenkreises steht im Laufe des Planungszeitraumes ein Personalwechsel an. Eventuell zieht das eine konzeptionelle Neuausrichtung nach sich. Es steht an, die ehemals lebendige diakonische Arbeitsgemeinschaft zu revitalisieren.

Welche Ziele wollen Sie erreichen?

Der Lebensraum Diakonie e.V. wird sich weiter als regionale Visitenkarte der Diakonie etablieren, sich wirtschaftlich behaupten und die Herausforderung von Mitarbeitergewinnung und -bindung unter Wahrung eines klaren diakonischen Profils bestehen.

Zusätzlich zu den bestehenden engen Beziehungen einzelner Kirchengemeinden zu diakonischen Einrichtungen (s.o.) sollte jede Kirchengemeinde mindestens zu einer diakonischen Einrichtung oder Initiative eine Patenschaft oder andere enge Verbindung durch mindestens eine Person aufbauen.

In der Entwicklung der Zukunftsgemeinschaften im Kirchenkreis (Prozess „Gemeinsam 2035“) soll die Kirchenkreis-Sozialarbeit in den einzelnen Zukunftsgemeinschaften fest eingebunden sein, auch zur Entlastung der Pastorinnen und Pastoren.

Die gemeinwesenorientierte Entwicklung von Gemeindeprofilen soll kontinuierlich evaluiert und weiterentwickelt werden.

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